Miriam, 31 Jahre alt
Ich habe mein Abi letzten Sommer (2021) am Abendgymnasium Lübeck gemacht.
Mit zwei Kindern und einem festen Ziel vor Augen, hatte ich mich drei Jahre vorher im Sekretariat bei der herzlichen Frau Giefing angemeldet. Frau Giefing zähle ich quasi zum Inventar des historischen Schulgebäudes. Mit der erfolgreichen und unkomplizierten Anmeldung ging ich nach Hause voller Vorfreude auf die kommenden Schuljahre.
Wie so viele andere Schüler*innen am Abendgymnasium, holte ich mein Abi mit viel Disziplin außerhalb der Regelschulzeit nach, weil es mir als Jugendliche an Unterstützung und den richtigen Rahmenbedingungen fehlte. Umso dankbarer bin ich für die Möglichkeit, dass man sein Abitur auch Jahre später noch nachholen kann.
Die Atmosphäre am Abendgymnasium bereitete mir drei Jahre lang Freude am Lernen. Das Lernen fühlt sich als Erwachsene einfach anders an. Zu erst dachte ich, dass es schwieriger sein würde, aber das Gegenteil war der Fall. Es fiel mir leichter, denn meine Lebenserfahrung, mein Wissensdurst, sowie der Austausch mit meinen Mitschüler*innen, boten eine völlig andere Lernebene.
Drei Jahre zogen so schnell ins Land, dass ich es gar nicht glauben kann. Oder wie Frau Giefing treffend meinte: „Sie waren doch erst „gestern“ bei mir zur Anmeldung und jetzt stehen Sie schon vorm Abi…!“. Die Zeit vergeht wirklich schnell!
Gemeinsam mit engagierten Lehrer*innen und deren Unterstützung, kommt man gut durchs Abitur. Man muss es sich nur wirklich zur Aufgabe machen es durchzuziehen.
Mein großes Ziel Hebammenwissenschaften zu studieren, war beispielsweise meine stetige Motivation am Ball zu bleiben. Aber auch der Grundgedanke, mir mit dem Abitur alle weiteren Studien- und Lebenstüren zu öffnen, die mir bisher verschlossen blieben.
Lange Rede kurzer Sinn: man kann nicht zu alt fürs Abitur sein! Jederzeit stehen einem die Türen zu mehr Bildung offen. Wir hatten beispielsweise auch Leute weit Ü40 im Klassenraum.
Just do it!

"Wenn ich mir die Zeit in Erinnerung rufe, in der ich mich für das Abendgymnasium entschieden habe, dann kann ich nun heute zurückblickend die Aussage tätigen, dass es einer der bedeutendsten Schritte in meine heutige Zukunft gewesen ist. 

Angefangen hat alles damit, dass ich mit meinem damaligen Beruf nicht mehr zufrieden war und nach einer Veränderung suchte. Mir war zwar bewusst, dass ich nun wieder Hausaufgaben machen, Klausuren schreiben und mich mit dem Schulalltag auseinandersetzen musste, dennoch war dieser Alltag am Abendgymnasium anders als an einer Regelschule. Ich hatte plötzlich Spaß an der Sache und war gewillt mein Ziel, Abitur zu machen, zu erreichen. 

Der Weg dorthin war zwar teilweise ziemlich steinig, jedoch haben die LehrerInnen des Abendgymnasiums mich jederzeit unterstützt und mich in meinen weiteren Entscheidungen bestärkt. Alle Lehrkräfte waren mit Freude und Begeisterung an ihrem Fach dabei und haben mich somit motiviert, sogar selbst auf Lehramt zu studieren. Doch nicht nur zu den LehrerInnnen, sondern auch zu den MitschülerInnen hatte ich ein besonderes Verhältnis. Freundschaften sind entstanden, die noch heute beständig geblieben sind.  Insgesamt kann ich sagen, dass es eine tolle Zeit war, an die ich mich gerne zurückerinnere und in der ich eine besondere persönliche Entwicklung durchlaufen habe."

 

 

"Einige mögen wissen, dass es mehr und mehr SchülerInnen mit Migrationshintergrund am Abendgymnasium gibt, ich war auch eine davon. Als ich anfing, die deutsche Sprache zu lernen, habe ich schnell erkannt, dass dies die größte Herausforderung für MigrantInnen ist. Mein Grundgedanke war, dass man die deutsche Sprache nur durch das Kennenlernen von deutscher Kultur, durch die Kenntnisse vom deutschen Politiksystem, durch die Integration in die deutsche Gesellschaft und durch eine deutsche Schule verbessern kann. 

Auf diesem Weg habe ich das Abendgymnasium gefunden. Es war für mich wie das Licht am Ende des Tunnels. Zu Beginn war ich überrascht, dass wir, die Schüler, so herzlich von den LehrerInnen empfangen wurden. Die Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit der Lehrkräfte beruhigten unser aller Ängste. 

Für mich, die in einem kommunistischen Land aufgewachsen ist, war besonders das Fach Wirtschaft-Politik eine Herausforderung. Das komplexe politische System in Deutschland und die vielen tagesaktuellen Themen waren nicht einfach zu erklären und verstehen. Zum Glück haben wir aber nicht nur Theorie gelernt, sondern uns wurden auch praktischen Anteile vermittelt, wie z.B. das deutsche Reinheitsgebot.

Für mich persönlich war die Zeit besonders wertvoll und nach drei Jahren am Abendgymnasium habe ich nun keine Angst mehr vor langen Artikeln, die in der Zeitung auftauchen, und studiere Kulturwissenschaften an der Fern-Uni Hagen."

 

 

"Spontan beschloss ich im Jahr 2014 mein Abitur nachzuholen. Weil ich meinem Beruf weiterhin nachgehen wollte, bot das Abendgymnasium die ideale Möglichkeit das Abitur neben dem Beruf zu erlangen.

Der Lernstoff wurde dem Alter der Schüler_innen entsprechend angemessen vermittelt. Darüber hinaus hatten die Lehrer_innen Verständnis für die Doppelbelastung ihrer Schüler_innen. Im Verlauf der Schulzeit bildete sich ein großartiger Klassenverband mit Menschen, die alle das gleiche Ziel verfolgten und sich gegenseitig unterstützten.

Zusammengefasst war es eine tolle (aber auch anstrengende) Zeit, die mich auch für meinen weiteren Weg prägte. Die ursprüngliche Idee Zahnärztin zu werden, ist dem Wunsch gewichen auch anderen Menschen spannende Inhalte zu vermitteln und selbst Lehrerin zu werden.

Im Anschluss an mein Abitur begann ich ein Lehramtsstudium und die erprobten Fähigkeiten sich zeitlich zu organisieren, verschafften mir Vorteile, die zu erledigenden Aufgaben des Studiums zu bewältigen."

 

 

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